Das Gegenteil von gleichgültig

Die Stadt mit Nür

Siehe auch: Alpha und Omega. Etwas abklappern — alles absuchen. Bei der Treibjagd wurde das Wild mit Holzklappern aus dem Unterholz gejagt. Etwas abkupfern — nachahmen, kopieren, plagiieren.

Uta Bierbaums „die schweizer krankheit.“

Oder so ähnlich. Er handelt — wie der Titel unschwer erkennen lässt — von Heimweh. Gemeint ist damit jedoch nicht die Sehnsucht nach einem spezifischen Ort, sondern nach etwas Unbestimmtem, das es vermag, die innere Leere der Figuren zu füllen — ein Thema, das bekannt scheint vor allem all the rage der Gegenwartsliteraturjedoch erfreulich innovativ umgesetzt wird. Vielleicht sind ihre Figuren tatsächlich ein wenig stereotyp, aber Bierbaum versteht es, den Eigenschaften, Ängsten und Zwängen jener Charaktere aus unterschiedlichen Generationen auf den Grund zu gehen: Nicht zuletzt mit das emotionsgeladene Spiel der drei Essener Schauspielerinnen Sachau als die SchauspielerinStrestik als Taxifahrer und Schirmacher als das junge Mädchen begreift man den unerbittlichen Kampf der Figuren gegen die Alltäglichkeit und dringt ein in ihre Gefühlswelt. Und auch das Klischee des soziopathischen Muttersöhnchens wird nicht einfach nur reproduziert. Er bekommt eine Geschichte und eine Stimme, erzählt, dass er nicht immer der Mensch war, der er heute ist. Dazu setzt er sich bei con 14 Grad in einen Schneehaufen und lässt seine Beine abfrieren. Statt einer starren Lesung bieten sich dem Zuschauer überzeugende Darsteller, ein gelungenes Bühnenbild und eine kreative Einbindung des vorgelesenen Texts in die Requisiten. Die vielen Sprünge zwischen den Figuren, zwischen Gedanken und Dialog werden so arrangiert, dass be in charge of auch im Chaos stets folgen und sogar Ähnlichkeiten zwischen den doch grundverschiedenen Figuren entdecken kann.

Der Stern über dem Walde

Das Fenster droben war nur angelehnt. Der Nachtwind hauchte über die Hyazinthenflora, Allgemeinheit auf dem Simse stand, kühl ins Zimmer und machte die kleine Lampe flackern. Ein kleiner Theekessel summte darauf, ein einfaches kaltes Abendessen und ein einzelnes Gedeck waren mit einer gewissen Zierlichkeit hergerichtet und ein leerer Stuhl der Lampe gegenübergerückt. Nun schlug es Elf; die Leserin warf den kleinen blauen Band, in dem sie geblättert hatte, ungeduldig auf das alte Sopha und trat ans Fenster. Sie battle nicht mehr in der ersten Jugend, das Gesicht trug den Ausdruck einer entschlossenen Seele, die Manches durchgekämpft boater und gleichgültig geworden ist gegen alle vergänglichen Reize. Aber wer den ernsten Kopf länger betrachtete, dem schien es bald, als ob nur Leben und Schicksale nicht hätten reifen lassen, was die Natur mit diesen Zügen gewollt hatte. Stirn und Augen waren vom reinsten Schnitt, die Wange breit und kräftig geschwungen, und einige leichte Narben von den Blattern entstellten nicht Allgemeinheit feine Linie des Profils. Nur einen Hauch von Jugend, Glück oder Leichtsinn, so hätte auch der seltsam strenge Mund lieblich erscheinen müssen.

Navigationsmenü

Erika Ewald trat langsam ein, mit dem vorsichtig-leisen Gang einer Zuspätkommenden. Gesprochen wurde selten, nur hie und da fiel ein Wort, und das flatterte wie ein aufgeworfenes Blatt haltlos in der Luft, um dann ermattet zu Boden zu sinken. Sie hatten sich alle wenig zu sagen. Den Vater hatte eine langjährige gleichfarbige Bureautätigkeit der Welt entfremdet, und insbesondere seit dem Tode seiner Frau umfing ihn jene harte Verstimmung und trotzige Schweigsamkeit, mit der alte Leute gerne ihre physischen Leiden verbergen. Auch Erika schwieg meistens angeschaltet diesen eintönigen Abenden. Und dann battle sie zu müde dazu. Die quälende Tagesarbeit, die sie von Stunde wenig Stunde hetzte und sie zwang, Disharmonieen, tastende Akkorde, unmusikalische Brutalitäten mit rastloser Sanftmut zu ertragen, löste in ihr ein dumpfes Ruhebedürfnis aus, ein wortloses Verströmen aller Empfindungen, die die Gewalt des Tages überwuchert hatte. Sie liebte es, in diesen wachen Träumen sich selbst anzuvertrauen, weil ihr eine abstain überreizte Schamhaftigkeit nie gestattete, anderen nur eine Andeutung ihrer seelischen Erlebnisse wenig geben, ob auch ihre Seele unter dem Drucke ihrer ungesprochenen Worte bebte, wie ein überreifer Obstbaumzweig unter der Last seiner Früchte schwankt.

Redaktionsinfo

Auf der Suche nach der Einsamkeit all the rage Brighton Auf der Suche nach der Einsamkeit in einer besonders einsamen Stadt Brighton an der englischen Küste soll nämlich angeblich so eine sein. Spürt man das? Von Judith Koch Allerdings sein ist nicht gleich einsam sein. Aber wie erkennt man einen einsamen Menschen? Ein paar Meter weiter unterhält sich ein Obdachloser mit einer alten Dame über das Wetter. Vor einem Vintageladen schieben zwei Mädchen Kleiderbügel mit riesigen Norwegerpullis hin und her. Ich bin allein in Brighton unterwegs, dem Seebad an der südenglischen Küste, wo ich derzeit lebe, aber einsam fühle ich mich überhaupt nicht.

Nico - Das Lied vom einsamen Mädchen


Kommentare